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Stand: 14. Juni 2026

Sie zahlen für Microsoft — nutzen Sie es auch? Der KI-Stack jenseits von Copilot: Foundry, Purview, Power Platform

Viele Unternehmen zahlen für M365- und Azure-Verträge — und nutzen vielleicht 20 % davon. Dabei liegt im Microsoft-Stack weit mehr KI als nur Copilot: Microsoft Foundry als Multi-Model-Plattform, Purview als Governance-Fundament, Power Platform für eigene Agenten. Wer die Infrastruktur schon bezahlt, sollte sie richtig nutzen — mit Governance von Anfang an, nicht als Nachrüstung.

Sergiy Esposito14. Juni 20268 Min. Lesezeit
Microsoft FoundryPurviewPower PlatformKI-Strategie

Was ist Microsoft Foundry — und warum heißt es ständig anders?

Microsoft Foundry ist Microsofts zentrale KI-Plattform für Modelle, Agenten und deren Governance — und sie hieß in zwei Jahren dreimal anders: Azure AI Studio wurde im November 2024 zu „Azure AI Foundry", im November 2025 zu „Microsoft Foundry". Der technische Unterbau ist derselbe. Wer also Dokumentation, Angebote oder Blogartikel mit drei verschiedenen Namen findet: Es ist dasselbe Produkt in drei Lebensphasen.

Praktisch relevant ist vor allem eins: Bestehende Azure-OpenAI-Ressourcen lassen sich zu Foundry-Ressourcen upgraden, Endpoints und Keys bleiben dabei erhalten. Wer vor zwei Jahren mit Azure OpenAI gestartet ist, steht also nicht vor einem Neuanfang, sondern vor einem Upgrade-Pfad.

Heute ist Foundry eine Multi-Model-Plattform — OpenAI, Anthropic, Mistral, DeepSeek, Microsofts MAI-Familie und mehr, mit einem Model Catalog von über 11.000 Modellen. Dazu kommen die Foundry Control Plane als zentrale Governance-Ebene (nativ integriert mit Entra, Purview und Defender), Agent 365 für die Agenten-Verwaltung und Unterstützung für offene Standards wie MCP und Agent-to-Agent (A2A).

Welche Bausteine gehören zu einem vollständigen MS-KI-Stack?

Vier Ebenen, eine Klammer: Datenfundament (Fabric/OneLake), Modell- und Inferenz-Ebene (Foundry), Anwendungs-Ebene (Copilot, Power Platform, eigene Apps) — und darüber die Governance-Klammer aus Entra, Purview und Defender. Wer nur die Anwendungs-Ebene kauft und den Rest ignoriert, baut KI auf Sand.

EbeneProduktAufgabe
DatenfundamentMicrosoft Fabric / OneLakeDaten zusammenführen und aufbereiten — die Qualität der KI beginnt hier
Modell & InferenzMicrosoft FoundryModelle auswählen, betreiben, orchestrieren (11.000+ Modelle im Catalog)
AnwendungM365 Copilot, Power Platform / Copilot Studio, eigene AppsKI in die Arbeitsabläufe bringen
Agenten-VerwaltungAgent 365 / Foundry Control PlaneAgenten inventarisieren, steuern, beaufsichtigen
Governance-KlammerEntra, Purview, DefenderIdentität, Datenklassifizierung, Sicherheit — über allem

Das unterschätzte Element ist Purview: Datenkatalogisierung, Sensitivity Labels und Compliance-Kontrollen über die gesamte Pipeline — bis hin zu eDiscovery für Copilot-Prompts und -Antworten. Purview ist kein „Compliance-Add-on", sondern das Fundament, auf dem jede KI-Nutzung im Stack auditierbar wird. Wer es einführt, bevor die ersten Agenten laufen, spart sich die schmerzhafte Nachrüstung.

Wie verhindert man Wildwuchs bei Power Platform und Agenten?

Power Platform und Copilot Studio machen jeden Fachbereich zum Agenten-Bauer — Low-Code plus KI. Ohne Governance entsteht damit die nächste Shadow-IT-Generation: Citizen Developer, die produktive Automatisierungen bauen, von denen die IT nichts weiß. Das Muster kennen wir bereits von der Shadow AI — nur dass diesmal nicht Tools genutzt, sondern Systeme gebaut werden.

Die Antwort ist dieselbe wie dort: nicht verbieten, sondern kanalisieren. Klare Umgebungs-Strategien (wo darf experimentiert werden, was braucht Freigabe), Agenten-Inventar über Agent 365 bzw. die Foundry Control Plane, und Purview-Labels, die regeln, welche Daten ein selbstgebauter Agent überhaupt sehen darf. Citizen Development ist eine Stärke des Stacks — aber nur mit Leitplanken, die von Anfang an mitlaufen.

Was kostet der Betrieb wirklich?

Die wichtigste Stellschraube heißt PTU: Provisioned Throughput reserviert dedizierte Kapazität und lohnt sich als Faustregel ab etwa 1.800 € Token-Kosten pro Monat — oder wenn harte Latenz-Anforderungen bestehen. Für Piloten ist Pay-as-you-go der richtige Einstieg. Wer DSGVO-Anforderungen an den Verarbeitungsort hat, nutzt Data Zone Deployments.

Die Kostenlogik des Stacks belohnt Planung: Piloten klein und verbrauchsbasiert fahren, Nutzung messen, und erst beim nachgewiesenen Dauerbetrieb auf reservierte Kapazität wechseln. Der häufigste Fehler ist der umgekehrte Weg — groß dimensionieren, bevor klar ist, welche Use-Cases überhaupt tragen. Die ehrliche Betriebsrechnung umfasst außerdem das, was nicht auf der Azure-Rechnung steht: Governance-Pflege, Schulungen und die Person, die das Agenten-Inventar tatsächlich führt.

Wo sind die Grenzen des Microsoft-Stacks?

Die strukturelle Grenze ist ehrlich benannt schnell gefunden: Auch der vollständige Microsoft-Stack ist Cloud. Für Berufsgeheimnisträger nach §203 StGB und für Daten, die das Haus grundsätzlich nicht verlassen dürfen, bleibt lokale KI die strukturelle Antwort. Für diese Fälle bauen wir Sovereign-AI-Infrastrukturen — das ist aber die Ausnahme-Ebene, nicht das Gegenargument zum Stack.

Für alles andere gilt: Wer Microsoft-Verträge bezahlt, hat bereits eine KI-Plattform mit Datenfundament, Multi-Model-Zugang und integrierter Governance im Haus. Die Frage ist nicht, ob man sie nutzt — sondern ob man sie mit Plan nutzt. Welcher Use-Case auf welche Ebene gehört, wo Copilot reicht und wo es mehr braucht, und wie die Governance-Klammer von Tag eins mitläuft — das ist die eigentliche Architekturarbeit. Sie entscheidet, ob aus den bezahlten 100 % genutzte 80 % werden oder es bei 20 % bleibt.

Häufige Fragen

Warum heißt Azure AI Foundry jetzt Microsoft Foundry?

Drei Namen, ein Produkt: Azure AI Studio wurde im November 2024 zu „Azure AI Foundry", im November 2025 zu „Microsoft Foundry". Der technische Unterbau ist derselbe geblieben. Bestehende Azure-OpenAI-Ressourcen lassen sich zu Foundry-Ressourcen upgraden — Endpoints und Keys bleiben dabei erhalten.

Welche Modelle laufen in Microsoft Foundry?

Foundry ist eine Multi-Model-Plattform: OpenAI, Anthropic, Mistral, DeepSeek, Microsofts eigene MAI-Modelle und viele weitere — der Model Catalog umfasst über 11.000 Modelle. Dazu kommen offene Standards wie MCP und Agent-to-Agent (A2A) für die Anbindung von Agenten.

Was ist Microsoft Purview und warum ist es so wichtig?

Purview ist das Governance-Fundament des Stacks: Datenkatalogisierung, Sensitivity Labels und Compliance-Kontrollen über die gesamte Pipeline — inklusive eDiscovery für Copilot-Prompts und -Antworten. Ohne Purview-Fundament bleibt jede KI-Governance im Microsoft-Stack Stückwerk.

Wann lohnt sich Provisioned Throughput (PTU)?

Als Faustregel: ab etwa 1.800 € Token-Kosten pro Monat oder bei harten Latenz-Anforderungen — PTU reserviert dedizierte Kapazität. Für Piloten ist Pay-as-you-go der richtige Start, für DSGVO-Anforderungen gibt es Data Zone Deployments.

Reicht der Microsoft-Stack auch für regulierte Branchen?

Für vieles ja — mit sauberer Governance (Entra, Purview, Defender) deckt der Stack auch anspruchsvolle Compliance-Anforderungen ab. Die strukturelle Grenze: Auch der vollständige Microsoft-Stack ist Cloud. Für Berufsgeheimnisträger nach §203 StGB und Daten, die das Haus nicht verlassen dürfen, bleibt lokale KI die robustere Antwort.

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Sergiy Esposito

IT-Berater & KI-Stratege, Berlin. Schwerpunkt: DSGVO-konforme KI-Implementierung, EU AI Act Compliance und Sovereign AI für Mittelstand und regulierte Branchen.

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